Teleshopping

Meine Frau hat bald ihren 77. Geburtstag. Deshalb wollte ich etwas Schickes für sie einkaufen. Ich nahm also den Hörer meines Wählscheiben-Telefons in die Hand und wählte.
„Willkommen beim KB-Teleshopping, was kann ich für Sie tun?“, fragte die Dame am Telefon.
„Ach, ich schau mich gerade nur mal um“, entgegnete ich.
Stille.
„Ähm, wie bitte?“, fragte die Frau verduzt.
„Ich wollte erst einmal nur schauen, was Sie so da haben, danke.“
„Aha…“
Stille – und ein wenig Rauschen in der Leitung.
„Haben Sie die hier auch eine Nummer kleiner?“, fragte ich nach einiger Zeit höflich.
„Was?“ Die Frau am anderen Ende klang ein wenig perplex.
„Na, diese Jeans hier. Haben Sie die auch kleiner?“
„Ihnen ist schon klar, dass ich nichts sehen kann, oder?“
„Nichts sehen? Jetzt stellt man also auch noch Blinde für den Verkauf ein. Na, Mahlzeit!“
„Ich bin doch nicht blind.“
„Ne, nicht blind, aber können nichts sehen, schon klar.“
„Sagen Sie, ist das hier ein Telefonstreich?“
„Das frag ich mich langsam auch. Da will man mal nett einkaufen gehen und dann darf man sich nicht mal in Ruhe umsehen und wird nur von Blinden bedient.“
„Das hier ist eine TELEshopping-Hotline, verstehen Sie?“
„Ach, bekomm ich bei Ihnen nur TELEfone?“
„Also langsam wird mir das hier zu blöd. Entweder bestellen Sie jetzt was, oder ich lege auf. Es gibt schließlich noch andere Kunden.“
„Ach, jetzt wird man auch noch zum Kauf genötigt. Das sind ja Methoden hier bei Ihnen. Kein Wunder, dass hier gerade so wenig Leute in Ihrem Laden sind. Ich sehe nämlich gerade keine Menschenseele.“
Klick. Sie hat aufgelegt.

Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Nicht mit mir! Deshalb rief ich erneut die Nummer an.
„Willkommen beim KB-Teleshopping, was kann ich für Sie tun?“, fragte diesmal ein junger Mann.
„Guten Tag, ich möchte eine Beschwerde vorbringen. Vorhin hat mich eine blinde Verkäuferin bedient und wollte mich zwingen, etwas zu kaufen.“
„Soviel ich weiß, haben wir hier keine Mitarbeiter, die blind sind. Ich werde das mal nachprüfen, einen Moment.“
Plötzlich ertönte eine laute Melodie aus dem Hörer. Ich war fassungslos.
„Verzeihung, können Sie Ihre Hottentotten-Musik etwas leiser stellen, ich verstehe nichts mehr, rein gar nichts!“, rief ich in den Hörer.
Keine Antwort, die Musik dudelte in einer endlosen Schleife weiter.
„Wie könnt Ihr alle so inkompetent und unhöflich sein. Saftladen!“
Ich legte mit wütender Wucht auf.

Ich überlegte, wie ich meiner Frau sonst noch eine Freude machen könnte, kam jedoch zu keinem Ergebnis. Dann beschloss ich, den Geburtstag meiner Frau zu vergessen. Hat man in meinem Alter schon mal.