Der freie Mann

Der freie Mann sprach:

„Man sagte mir einst, ich sei ein Sklave. Welch Schwachsinn! Ich bin ein freier Mann! Ich darf denken, was ich will, sagen, was ich will, mich frei bewegen – wie soll ich denn da ein Sklave sein?“

Das sagte er. Und er glaubte scheinbar auch daran.

Und jeden Morgen stand er früher auf, als gesund für ihn war, und er betete zu einem Gott, der ihn enttäuschte, frühstückte Gift, das ihm schmeckte, las die Zeitung, an die er blind glaubte und dann gab er seinem tadellosen Körper die Pillen, die man ihm verschrieben hatte. Er duschte, während er dabei an später dachte, benutzte Cremes, die ihn schöner und jünger machen sollten, zog Kleidung an, die ihm nicht gefiel, doch die Marke war gut, und daraufhin bedeckte er beim Verlassen des Hauses sein Gesicht mit einer Maske, die ihm die Luft und sein Gesicht nahm, weil man ihm sagte, er rette damit die Welt.

Er ging zur Arbeit, die er nicht mochte, mit einer Tätigkeit, die er unmoralisch fand, für einen Chef, den er verabscheute, aber gleichzeitig reicher machte – und das alles für ein paar Münzen und einige Stücke Papier.

In seiner Freizeit sah er alle fünfzehn Minuten mit Hoffnung und Gier auf sein Telefon, und er veröffentlichte Sätze und Bilder, um anderen zu gefallen und Lob und Zustimmung zu erhalten, die er so begehrte. Dann bestellte er sich Dinge, die er nicht brauchte, trank abends Bier, das ihm nicht schmeckte, ließ sich von seinem Fernseher erzählen, was er glauben sollte und ging später noch in die Spielhalle und zog für den Funken Glück an jedem Hebel.

Und wenn er des nachts im Bette lag, dachte er an all die Dinge, die er so gerne tun oder anderen so gerne sagen würde, ohne die Angst, die ihn so unterdrückte, und vor allem sehnte er sich auch nach der Liebe, die ihm fehlte.

Und im Schlafe dann, in stiller Ruh, da träumte er davon, frei zu sein – in einer Welt, die nicht der Schlange gehörte.